Fehlerspeicher selbst auslesen

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Okay. Auf zahlreichen Wunsch hin habe ich mich endlich dazu entschlossen, etwas über meine Erfahrungen mit dem Auslesen der Fehlercodes über die Diagnosebuchse unserer geliebten 5er zu berichten.

Die Modelle der Baureihe E34 sind diagnosefähig, das heisst, es ist möglich, über einen "Diagnosecomputer" in der entsprechend ausgerüsteten Werkstatt Fehlermeldungen der Digitalen Motorelektronik (DME), der Zentralen Karosserielektronik (ZKE) und vieler weiterer Karosserie- und Steuergeräte auszulesen. Das spart einem häufig viel Sucherei und Arbeit, wenn es darum geht, Probleme, z.B. in Sachen Motorlauf, zu beseitigen.
Dieses Dokument würde aber nicht in der Schrauberecke zu finden sein, wenn ich hier natürlich nicht beschriebe, wie man sich jetzt so ein Diagnosesystem SELBST und kostengünstig zusammenbaut.
Hierbei jedoch noch ein Wort der Warnung...
Denkt immer daran, dass es sich bei der DME und der ZKE um sehr sensible Bauteile handelt. Ihr solltet daher lieber zwei-, drei - oder besser viermal prüfen und überlegen, welches Kabel ihr wo am Diagnosestecker anschliesst. Ansonsten dürft ihr euch ganz schnell neue Steuergeräte besorgen... Ich hafte daher in KEINER WEISE für irgendwelche Schäden, die wegen fehlerhafter oder unsachgemässer Befolgung dieser Bastelanleitung entstehen.

JEDER MUSS SELBST WISSEN, WAS ER TUT UND DIE NOTWENDIGE SORGFALT WALTEN LASSEN !!!

So, jetzt aber genug der Schwarzmalerei. Wir wollen ja anfangen.

Nun, eigentlich ist das Prinzip des Datenaustausches sehr einfach: Das zu untersuchende Fahrzeug sendet über die Diagnosebuchse (TX) seine Daten zum Diagnose-PC und zurück (RX). Dazwischen befindet sich nun ein kleines Interface, dass zur Pufferung und Steuerung der auftretenden Spannungen dient.
Unsere erste Aufgabe ist also, so ein Interface zu bauen.

Das Interface:
Hier erstmal der Schaltplan:


Für diese Schaltung benötigt ihr folgende Teile:

Bauteil
Bestell-Nummer
1 IC 4069 (Negationsbaustein) MOS 4069
1 IC Sockel GS 14
1 Widerstand 10 Ohm 1/4 W 10
1 Widerstand 470 Ohm  1/4 W 470
1 Widerstand 1.2 kOhm 1/4 W 1,2K
2 Widerstände 10 kOhm 1/4 W 10K
1 Elektrolytkondensator mit 100µF RAD 100/16
2 Transistoren, Typ BC547C BC 547 C
2 SUB-D Buchse D-SUB BU 09
2 SUB-D Kappe Kappe 09M
10M Steuerleitung LIYCY 06-10


Ausserdem noch:

  • einen PC mit 2(!) seriellen Schnittstellen (COM-Ports)
  • einen 5er (oder sonstigen diagnosefähigen BMW mit Diagnosestecker)


  • Mit diesen Teilen ausgerüstet (ich habe sie bei Reichelt Elektronik (www.Reichelt.de) bestellt - daher stammen auch die Bestellnummern - können wir uns nun daran machen, die Schaltung zusammzubauen.
    Als allererstes braucht ihr dazu ein Platinenlayout. Ihr müsst euch also überlegen, wie ihr die Teile auf die Leiterplatte lötet und wo ihr die Unterbrechungen zu setzten habt. Ich habe mir dazu folgendes Layout überlegt:


    (draufklicken zum vergrössern)

    Die BLAUEN Zahlen bedeuten dabei den Anschluss an COM 1, die ROTEN an COM 2 und die GRÜNEN den Anschluss an den DIAGNOSESTECKER.
    Fangen wir also an:
    Zuerst müssen die Unterbrechungen auf dem Streifenraster der Platine gesetzt werden.
    Die Unterbrechungen müssen gesetzt werden, damit keine Kurzschlüsse zwischen den Teilen entstehen. Wie ihr bestimmt schon bemerkt habt, befindet sich vor einer Unterbrechung meist ein senkrechter Pfad nach oben (GRÜN). Das sind Drähte, die zusätzlich eingelötet werden müssen. Aber dazu später mehr.
    Die Unterbrechungen sind auf dem Bild als kleine, ROTE Kreise zu erkennen. Überall wo sich ein ROTER Kreis befindet, muss auf der entsprechenden Stelle der Rückseite eine Unterbrechung gesetzt werden. Da man auf einer solch grossen Platine leicht den Überblick verliert, habe ich diesen Trick angewendet:
    Man druckt das Layout im Format 1:1 aus, d.h. der Abstand zwischen den Punkten auf dem Raster muss exakt 2,54 mm betragen (1/10 Zoll). Dazu habe ich einen FILE generiert, der nur noch im Format mit Rahmen 101,6 x 162,65 mm ausgedruckt werden muss: File zum Ausdrucken

  • auf dem Ausdruck an den Ecken jeweils ein Loch einstechen (z.B. mit einer Stecknadel)
  • den Ausdruck über die Vorderseite (!) der Platine legen, so dass die Löcher des Rasters übereinanderstehen
  • den Ausdruck an den eingestochenen Stellen mit Draht fixieren


  • So. Jetzt sieht die Sache schon übersichtlicher aus. Achtet darauf, dass alle Löchter genau fluchten, ansonsten müsst ihr ein bissi probieren, bis der Ausdruck passt ;-)
    Haltet dazu die Platine gegen das Licht und schaut, ob das Licht durch die Löcher von hinten (Seite mit den Kupferstreifen) nach vorne durch das Papier durchscheint.

  • Jetzt sticht man die Stellen mit dem ROTEN Kreis durch (z.B. wieder mit einer Stecknadel). Keinen vergessen !!!
  • Platine wenden, d.h. man blickt jetzt auf die Lötseite mit den Kontaktstreifen
  • Jetzt sieht man, wenn man die Platine gegen das Licht hält, sehr genau, wo mehr Licht (Unterbrechung), bzw. weniger Licht (KEINE Unterbrechung) durchfällt.
  • Jetzt nimmt man sich einen Edding oder einen ähnlichen Filzschreiber und markiert, die Platine wieder gegen das Licht haltend, die hellen Stellen.


  • Sinn und Zweck der ganzen Übung ist, die Unterbrechungen von der Vorderseite auf die Rückseite der Platine zu übertragen.
    Anhand der Edding-Punkte kann man nun die Unterbrechungen genau setzen. Dies geschieht mit Hilfe eines 8mm Bohrers, mit dem man die Platine von der Rückseite her so weit anbohrt, bis der Kupferstreifen unterbrochen ist. (Am Besten vorher noch einmal die Stecknadel von hinten durch die Platine an den markierten Stellen durchstecken und vorne schauen, ob die Stecknadel auch wirklich bei einem ROTEN Kreis rauskommt). Es sind insgesamt übrigens 55 Unterbrechungen. Am besten misst man mit einem Messgerät am Schluss nochmal durch, ob der Streifen auch WIRKLICH unterbrochen ist.

    Jetzt kommt der eigentliche Teil der Arbeit.
    Bevor wir jetzt anfangen, wild draufloszulöten, kontrollieren wir aber noch einmal, ob wirklich alles richtig ist.
  • Unterbrechungen OK?
  • Streifen richtig unterbrochen?


  • Und jetzt gehts los:

    Einlöten der Bauteile:

    IC-Sockel einlöten

    Zuerst muss man den IC-Sockel einlöten. Dazu sticht man nun von der Vorderseite mit der uns bekannten Stecknadel die 14 HELLBLAUEN Punkte des IC-Sockels ein und setzt den Sockel so ein, dass die Kerbe nach oben zeigt. das Paier kann ruhig auf der Platine bleiben. Platine umdrehen - und festlöten.

    Drahtbrücken:
    Die GRüNEN Striche stellen Drahtbrücken dar. Dazu nehmen wir irgendwelchen Draht oder Litze, den wir hoffendlich irgendwo zuhause rumliegen haben. Diesen bringen wir erst auf die erforderliche Länge und isolieren ihn vorsichtig an beiden Enden ab. Nachdem wir sie an beiden Enden verdrillt und verzinnt haben, löten wir ihn an den richtigen Stellen ein. Die auf der Lötseite überstehenden Drähte an den Lötlöchern knipsen wir ab (das machen wir immer, nachdem wir ein Bauteil eingelötet haben).

    Widerstände einlöten:

    Das gleiche Spielchen: HELLBLAUE Punkte durchstechen, Widerstände an beiden Seiten abknicken, dass Sie auch passen, durch die HELLBLAUEN Punkte durchstecken und festlöten.

    Kondensator einlöten:

    Der Kondensator ist ein gepolter Elektrolytkondensator. Das heisst, dass Plus und Minus keineswegs vertauscht werden dürfen. Der Elko hat an der Seite eine Markierung (grau mit Minuszeichen drauf). Das ist der Minuspol. Auf dem Layout ist dies der untere Pol. Er läuft auch zur Masse.

    Transistoren einlöten:

    Auch die Transistoren müssen richtigherum eingelötet werden. Die Anschlüsse auf dem Layout heissen von oben nach unten: C (Collector), B (Base), und E (Emitter). Welcher wo ist, könnt ihr leicht feststellen: haltet den Transistor so, dass die Beinchen auf euch zu zeigen. Der abgeflachte seitliche Teil zeigt nach links, also wie ein D: Die Anschlüsse lauten jetzt von oben nach unten: E, B, C.

    Hierzu noch ein Datenblatt, damit es auch wirklich stimmt:
    http://www.fairchildsemi.com/ds/BC/BC547C.pdf

    Kabel zum PC anlöten:
    Unsere Litze schneiden wir dazu in 3 Teile: Zwei 4 Meter lange und ein 2 Meter langes Stück. Dann entfernen wir die Gesamtisolierung am Ende der Leitung auf einer Länge von ca. 5 cm und schneiden die Abschirmung weg. Jetzt sehen wir 6 Kabel. Welche wir verwenden, ist Geschmackssache, Hauptsache die Belegung am COM-Stecker und an der Diagnosebuchse stimmt am Schluss.
    Nachdem wir sie auf die richtige Länge gebracht haben (einfach mal in die Lötösen der SUB-D-Buchse reinstecken, dann sieht man, ob sie zu lang sind) löten wir die Kabel an die einzelnen Lötösen der Buchse. Neben jedem Lötanschluss steht eine kleine Nummer: die Pinnummer. Nur an die Pins 2, 3, 5, 7 und 8 werden Kabel gelötet, die restlichen Pins werden nicht benötigt. Um später schnell zu überblicken, welche Litze an welchem Pin angelötet wurde, schreiben wir die Nummer des Pins und die zugehörige Farbe des Kabels in einer Tabelle auf:

    Für COM 1:
    Pinnummer Farbe
    2 (COM 1)
    3 (COM 1)
    5 (COM 1)
    7 (COM 1)
    8 (COM 1)
    Für COM 2:
    Pinnummer Farbe
    2 (COM 2)
    3 (COM 2)
    5 (COM 2)
    7 (COM 2)
    8 (COM 2)


    Steckergehäuse montieren
    Dazu schrauben wir die zweiteilige Schelle mit den zwei passenden Schrauben an die Leitung. Sie dient als Zugentlastung. Jetzt stecken wir die SUB-D-Buchse in die eine Hälfte des Gehäuses, fummeln die Kabel hinein, so dass die Zugentlastungsschelle in dem dafür vorgesehenen Raum zu liegen kommt. Daraufhin legen wir die andere Hälfte des Gehäuses darauf und halten beide Hälfte gegeneinander gepresst zusammen. Die beiden Befestigungsschrauben stecken wir unter leichtem öffnen der beiden Steckergehäusehälften an ihren Platz. Jetzt können wir mit den beiden Schrauben und Muttern den Stecker entgültig zuschrauben.

    Leitung mit der befestigten SUB-D-Buchse an die Schaltung anlöten
    Dazu brauchen wir die oben stehende Tabelle, wo wir die Farben der einzelnen Litzen eingetragen haben. Aus ihr ist nämlich auch ersichtlich, welche Litze an welchen Anschlusspunkt der Platine kommt. Zuerst entfernen wir die Isolierung der Leitung auf einer Länge von ca. 5 cm, schneiden wiederum die Abschirmung auf dieser Länge weg, und isolieren die Litzen ab. Nach dem Verdrillen und Verzinnen können wir die Litzen an den richtigen Stellen in die Platine einlöten. Dazu schauen wir in die Tabelle. Haben wir zum Beispiel das braune Kabel an Pin 2 von COM 1 angelötet, so wissen wir jetzt, dass wir das braune Kabel an Anschluss Pin 2 (BLAU !!!!) in die Platine einlöten müssen, usw.

    Kabel zum BMW anlöten
    Das gleiche Spielchen gilt für den Diagnosestecker, allerdings mit der Einschränkung, dass wir hier keine SUB-D-Buchse haben, sondern uns mit ein paar Nägeln, Gartendraht oder ähnlichem helfen müssen, an den wir die Litze anlöten (Kennzeichnung am Ende nicht vergessen)!!

    Für den DIAGNOSESTECKER:

    Pinnummer Farbe
    15 (Diag.)
    16 (Diag.)
    19 (Diag.)
    20 (Diag.)

    IC einsetzen
    Zum Schluss setzt man noch den IC 4069 in den Sockel ein. Dabei vorsichtig sein, dass man die Beinchen nicht abknickt. Die Kerbe muss nach oben zeigen, da sich Pin 1 links oben neben dieser Kerbe befindet.

    Jetzt ist das Interface fertig. Man legt es am besten in einen alten Schuhkarton, damit es auch isoliert bleibt. Die Kabel führt man zur Seite hinaus.

    Kommen wir zum nächsten Schritt:

    Die Software
    Wir arbeiten im folgenden mit der Software Carsoft 3.4
    Die bekommt man vom Hersteller www.carsoft.be.
    Bitte keine Anfragen mehr, wo man die Software sonst noch herbekommt...

    (draufklicken zum vergrössern)

    Welcher Anschluss wohin muss, sieht man aus der obigen Zeichnung. Wenn man alles richtig gemacht hat, liest Carsoft die ZKE und die DME aus.